3. Februar 2026

Im Jahr 2013 erkrankte mein Sohn Oskar das erste Mal an einer Leukämie. Er war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal zweieinhalb Jahre alt. In dieser Zeit und in einer der vielen schlaflosen Nächte auf der Station 32.4 der Uniklinik Frankfurt, entdeckte ich zum ersten Mal eine Broschüre des Vereins – kurz darauf wurde ich Mitglied.

 

Nach einer erfolgreichen Therapie und 5 Jahren glücklicher Gesundheit, kam die Leukämie in einer anderen Form und somit als eine Neuerkrankung zurück. Trotz eines wiederholt guten Therapieverlaufs verstarb Oskar im Alter von gerade mal 7 Jahren an den Folgen einer Sepsis, kurz vor Ende der Therapie, am 06. November 2020 in unseren Armen.

 

In den ersten Wochen nach einer langen und intensiven Verabschiedung und einer wundervollen Beisetzung, kam die Trauer mit voller und härtester Wucht in meine Realität. In dieser völligen Orientierungslosigkeit erinnerte ich mich daran, damals auf Station mal etwas von einer vereinseitigen Trauerbegleitung gelesen zu haben. Ich rief in meiner Verzweiflung im Verein an und wurde direkt an die damalige Trauerbegleiterin Cordula Dreisbusch weitergeleitet.
Aus diesem, in meiner Erinnerung sehr intensiven und unfassbar zugewandtem ersten Telefonat entwickelte sich eine Trauerbegleitung, die in meinen Augen nicht hilfreicher und heilsamer hätte sein können. In vielen Einzelgesprächen – teils spazierend im Park, teils im Verein – entwickelte sich ein tiefes Vertrauensverhältnis zu meiner Trauerbegleiterin. Auch die Trauergruppe, in der wir Eltern gemeinsam mit dem Erlebten umzugehen lernten, war und ist Teil des Angebotes des Vereins. Und das alles kostenfrei und „ohne Limit“ – eben so, wie es benötigt wurde. Die Unterstützung, die mir und uns hier zuteil wurde, ist von unermesslichem Wert und tiefer Nachhaltigkeit.

 

Der Austausch mit den Trauerbegleitern und anderen betroffenen Eltern hatte und hat einen immensen Effekt auf meinen Heilungsprozess – ich bin mir sicher, dass ich ohne diese Begleitung heute nicht in dieser stabilen Verfassung wäre, in der ich bin.

 

Mein Ziel und Wunsch war es immer, von der Erfahrung anderer und den Gesprächen untereinander den für mich besten Weg durch und mit der Trauer zu finden. Auch seit der Zeit der aktiven Begleitung durch den Verein, ist das Familienzentrum zu jeder Zeit ein Ort des Austauschs, Verstandenwerdens und der Zuflucht geblieben. So ist auch Oskars kleiner Bruder Juri als verwaistes Geschwisterkind Teil der Kindergruppe und genießt, wie ich, die Zeit bei den Treffen mit anderen Familien und Kindern im Familienzentrum oder auf einem der vielen Events.

 

Wenn ein Kind stirbt, ist und wird nichts mehr, wie es einmal war. Es ist nach meiner Meinung in den menschlichen Emotionen nicht vorgesehen, um ein Kind trauern zu müssen. Der Impact, den der Tod eines Kindes auslöst, erzeugt eine große Unordnung und Unsicherheit im Leben der Eltern, Geschwister und Großeltern. Aber auch im weiteren und erweiterten Umfeld – in Kindergarten, Schule, Freundeskreis, Vereinen usw. ist Traurigkeit zu spüren. Kein Stein scheint mehr auf dem anderen zu liegen.
Jegliche Stabilität, die durch eine gute Begleitung wiederhergestellt werden kann, wird – beginnend mit den Eltern und Geschwistern – Stück für Stück auch in das Umfeld übertragen. Ein unermesslicher gesellschaftlicher Wert und Auftrag, der hier seitens des Vereins Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt angenommen und erfüllt wird.

 

Danke dafür – aus tiefstem Herzen!

Botschafter Christian Malesevic mit Oskar im Herzen

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